Geschichte

Die Messdiener St.Nikolaus gibt es wohl schon seit Bestehen der Pfarrgemeinde. Allerdings wissen wir aus den Anfängen nur wenig.
Der Brauweiler Bürger Peter Franken, der in den Jahren 1935 bis 1938 Messdiener war, berichtet, dass sich das Messdienersein damals von der heutigen Form wesentlich unterschied (eine schriftliche Quelle aus dem 19. Jh. lässt den Schluss zu, dass diese Form seit Gründung der Pfarrgemeinde bestand): Brauweiler hatte seiner Zeit sechs Messdiener, die vom damaligen Pfarrer aus den letzten beiden Schuljahrgängen berufen wurden. Folglich wurde man erst mit elf Jahren Messdiener und mit 14, nach der Schulentlassung, war die Messdienerzeit zu Ende. Die Messdiener waren außer an Taufen an allen Gottesdiensten beteiligt.

Die Messdiener damals hatten vergleichsweise viel zu tun: Werktags gab es morgens zwei Messen, eine für die Gemeinde und eine für Anstalt. Der Sonntag begann um 7.00 Uhr mit der Frühmesse, um 8.00 Uhr folgte die Anstaltsmesse und um 10.30 Uhr ein Hochamt (an drei Sonntagen lateinisch, an einem eine deutsche Singmesse). Um 13.30 Uhr diente man auch noch die Andacht für die Arbeitsanstalt. Jeweils zwei Messdiener verrichteten ihren Dienst werktags vor Schulbeginn. Bei Beerdigungen wurden die Messdiener vom Schuldienst befreit. An Hochämtern wurden mehr Messdiener eingeteilt, an hohen Feiertagen ausnahmsweise auch bereits ausgeschiedene. Von Gründonnerstag bis Karsamstag zogen die Messdiener zum „Klappern“ durch den Ort (eine Tradition, die sich in Brauweiler und Dansweiler nicht erhalten hat, aber beispielsweise in Sinthern und Geyen noch gepflegt wird). Von den an Ostern gesammelten Geldspenden durften sie einen Teil als „Lohn“ behalten. Als Belohnung für ihre Dienste erhielten die Messdiener an Weihnachten eine Tüte Plätzchen und ein Heiligenbildchen mit Psalmenworten und der Signatur des Pfarrers. Manchmal ließ auch der Anstaltspfarrer den dienenden Messdienern aus seinen Mitteln etwas zukommen. Zwei Messdiener durften zudem (einmal in ihrer Messdienerzeit) auf Gemeindekosten an der Kevelaer-Wallfahrt teilnehmen.

Ab 1948 entstand unter Kaplan Erpenbach aus den Reihen der Messdienern zusätzlich eine Knabenschola, die sich dem Choralgesang widmete.

Der Weg zur Jugendgruppe

Die Messdiener kannten lange Zeit keine organisierte Freizeitgestaltung in der heutigen Form, nahmen aber zweimal in der Woche an Messdienerstunden beim Pfarrer teil. Diese bestanden im Wesentlichen aus dem Auswendiglernen aller lateinischen Gebete, die man als Messdiener während des Gottesdienstes aufsagen musste (u.a. Confiteor, Suscipiat, Misereatur). Während sich der Dienst am Altar an die durch das II. Vatikanische Konzil modernisierte Liturgie anpasste (z. B. weniger Klingeln, aber mindestens vier Messdiener am Altar – an hohen Feiertagen wesentlich mehr), blieben die Gruppenstunden bis in die 1970er Jahre vom Konzept her nahezu gleich. Noch Anfang der 70er Jahre bestand die Messdienerstunde bei Pfarrer Theo Holl im Wesentlichen aus Gebeten und dem Einteilen des Altardienstes. In Brauweiler waren Mädchen zu dieser Zeit (anders als etwa in Pulheim) bereits in die Messdienerarbeit integriert. Im Visitationbericht von 1974 wird eine Zahl von 45 Kindern und Jugendlichen angegeben.

Unter der organisatorischen Leitung von Paul Opladen (einem Messdienervater) und dem neuen Kaplan Mouchard wurde die Messdienerarbeit durch gemeinschaftliche Veranstaltungen und regelmäßige Freizeiten ergänzt und von Pfarrer Holl nach Kräften unterstützt. Seither findet in Brauweiler die jährliche Sternsingeraktion zugunsten der Kinder in der dritten Welt statt, deren Erlös sich von ca. 300 DM im ersten Jahr auf knapp 11.000 EUR im Jahr 2004 gesteigert hat.

1981 übernahm Kaplan Ludger Jocks die Messdienerschaft in St. Nikolaus. Erstmals führte er eine eigenständige Leitungsstruktur ein, die sich aus den älteren Mitgliedern zusammensetzte. Obwohl man sich anders als Pulheim gegen eine verbandliche Eingliederung in die KJG entschloss, arbeitete die Leiterrunde mit den anderen katholischen Jugendgruppierungen innerhalb des Dekanats in regelmäßigen Dekanatsrunden gut zusammen. Den beiden Kaplänen Ludger Jocks und Gustav Denecke verdanken wir, dass die Jugendarbeit in dieser Zeit in der Gemeinde stetig anwuchs, gefördert durch Pfarrer Peter Michael Wandel, der in seiner 20-jährigen Amtszeit durch seine persönliche und herzliche Art ein Klima des Vertrauens schuf, das Freiräume zuließ und selbstverantwortliche Strukturen ermöglichte. Für Ende 1983 wird im Pfarrbrief eine Zahl von 50 Brauweiler und 38 Dansweiler Messdienern angegeben.

Seit 1982 finden regelmäßige Gruppenstunden nach Alter im neuen Gemeindezentrum Pater-Kolbe-Haus (PKH) und auf der angrenzenden Wiese statt. In diesen gemeinschaftlichen Gruppenstunden wird Sport getrieben, werden Spiele angeboten und religiöse Inhalte spielerisch vermittelt. Der Eintritt bei den Messdienern ist heute ab der Erstkommunion möglich; in der Regel hören die ältesten Messdiener mit Mitte 20 auf.

Anpassung an neue Gegebenheiten

Seit Ende der 1980er Jahre wächst die Mitgliederzahl der Messdiener in der Pfarrgemeinde beachtlich (s. Statistik). Nach dem Zusammenwachsen mit den Messdienern aus Dansweiler sind 1990 unter der Leitung von Markus Krings 96 Messdiener in beiden Ortschaften aktiv. Der erhöhte Zulauf zeigt sich auch in wachsenden Teilnehmerzahlen bei den einwöchigen Messdienerfahrten und der alle zwei Jahre stattfindenden 14-tägigen Sommerfahrt. Ebenso ist die Anzahl der Aktivitäten beträchtlich gestiegen (seit 1983 regelmäßige Teilnahme am Karnevalszug in beiden Orten, Sportturniere, Zeltnächte, Tagesausflüge etc.). Deshalb gaben sich die Messdiener Mitte der 1990er Jahre eine organisatorisch bessere Leitungsstruktur mit klar verteilten Zuständigkeiten in der großen Leiterrunde (2004 30 Teilnehmer) und zwei Obermessdienern an der Spitze.

Seit 1990 werden die Messdiener von einem Förderverein, der von den Messdienereltern getragen wird, finanziell unterstützt. Kostspielige Anschaffungen und Aktionen wurden erst durch die Mitwirkung des Fördervereins ermöglicht. Auffälligstes Merkmal ist der blaue Messdienerbus, der die Messdiener zuverlässig begleitet. Engagierte Unterstützung erfahren die Messdiener auch vom Elternausschuss, der in wichtigen Fragen beratend und tatkräftig zur Seite steht.

Neue Herausforderungen

Die Auswirkungen fehlenden Priesternachwuchses wurden Ende der 1990er Jahre auch in Brauweiler spürbar. Nach den Kaplänen Peter Seul und Christian Ott, die die Messdienerarbeit sehr persönlich begleitet und mitgeführt haben, entstand zunächst eine Lücke. Diese wurde jedoch von der Leiterrunde als Herausforderung bewältigt und führte zu einer noch stärkeren Eigenverantwortung der Gruppierung. Gleichzeitig wurde der Informationsfluss aktuellen Kommunikationsformen und der gewachsenen Mitgliedszahl angepasst: Seit dem Jahr 2000 besitzen die Messdiener eine eigene Webseite, Elterninformationen werden seit neuestem auch über eine Mailingliste verbreitet.

Seit der Gründung des Pfarrverbands beginnt auch in der Messdienerarbeit eine stärkere Kooperation mit den Gemeinden St. Martinus Sinthern und St. Cornelius Geyen. Durch die Brauweiler Messdiener wurde die noch junge Leitung von Sinthern und Geyen gefördert und in ihrem Selbstständigwerden gestärkt. Seit 2001 unternehmen die Messdiener im Pfarrverband ihre Freizeiten gemeinsam, was die Teilnehmerzahl deutlich erhöht (2001 stieg die Zahl der Anmeldungen von ca. 100 für bisherige Freizeiten sprunghaft auf 130 Anmeldungen für die Fahrt nach Bad Deutschland und Österreich Homburg).

Die Jugendarbeit und der Dienst am Altar sind die zwei Säulen der Messdiener in St. Nikolaus, die immer wieder neu zu gewichten und in der Balance zu halten sind. Dabei lernen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in der Gruppierung und in der Gemeinde Verantwortung zu übernehmen und finden damit ein wichtiges Lernfeld für ein engagiertes Leben in Beruf und Gesellschaft. Mit der Einführung des jungen Pfarrers Peter Cryan im September 2004 verbindet sich auch die Hoffnung auf spirituelle Begleitung und neue Impulse.